Sustainable Development Goals
Die SDGs der Vereinten Nationen bilden seit 2015 den zentralen globalen Referenzrahmen für nachhaltige Entwicklung. Besonders SDG 4.7 – Bildung für nachhaltige Entwicklung – ist im Bildungswesen von zentraler Bedeutung. Doch die Umsetzung bleibt weit hinter den Zielen zurück.
SDG 4.7 fordert, dass alle Lernenden bis 2030 Wissen und Fähigkeiten erwerben, um nachhaltige Entwicklung zu fördern – durch Bildung für nachhaltige Entwicklung, Global Citizenship und die Förderung von Werten, Haltungen und Handlungskompetenzen.
Aktuelle Monitoring-Studien zeigen jedoch konsistent, dass SDG 4.7 in Lehrplänen, Lehrerbildung und Schulkulturen überwiegend nur oberflächlich oder partiell umgesetzt ist. Rose & Sayed (2024) bezeichnen es als «residual target», dessen zentrale Anliegen in inputbasierten Indikatoren systematisch verloren gehen.
«Das Defizit ist dabei weniger ein Mangel an Stoff als an Schulkultur: an gemeinsam getragener Vision, partizipativer Praxis und inneren Haltungen bei Schulleitung und Kollegium.»
Schulleitende sind damit nicht nur Verwaltungsinstanzen, sondern Schlüsselfiguren der Umsetzung von SDG 4.7 – und genau das macht die Frage nach ihrer inneren Entwicklung zu einer bildungspolitisch relevanten Frage.

Relevante Ziele
Obwohl alle 17 SDGs miteinander verbunden sind, sind für Bildungsverantwortliche besonders diese vier Ziele unmittelbar relevant.
Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern.
Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.
Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern.
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung revitalisieren.

Die Umsetzungslücke
Die Transformationsforschung zeigt: Externe Transformation – Veränderungen von Strukturen, Systemen und Politiken – und interne Transformation – Entwicklung von Werten, Haltungen, Wahrnehmungsmustern und inneren Kapazitäten – müssen systematisch zusammengedacht werden.
Auch die Verhaltensänderungsforschung unterstreicht die Lücke zwischen Wissen, Intention und tatsächlichem Verhalten. Faktoren wie Selbstwirksamkeit, Handlungsplanung und Handlungskontrolle sind zentrale Prädiktoren von Verhaltensänderung – und genau diese Faktoren beschreibt der IDG Guide.
Für Schulen bedeutet das: Schulen sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern – wie Biesta (2025) formuliert – freigesetzte Zeit, in der junge Menschen zu urteilsfähigen Subjekten werden. Und Schulleitende sind Gestaltende des sozialen Feldes, in dem Werte, Haltungen und Handlungsfähigkeit wachsen oder verkümmern.
Implementationslogik
Die IDG-Forschung zeigt: Innere Entwicklung entsteht nicht durch Wissensvermittlung allein, sondern durch reflektierte Erfahrung, begleitetes Lernen und die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Mustern.
Schulleitende erkunden ihren eigenen inneren Ort – durch Reflexionsformate wie Journaling, Theorie U-Module und kollegiale Begleitung.
Aus der entwickelten Haltung heraus entstehen neue Formen der Zusammenarbeit: partizipative Sitzungen, offene Fehlerkultur, geteilte Verantwortung.
Nachhaltige Entwicklung wird nicht als Programm eingeführt, sondern als Haltung gelebt – im Klassenzimmer, im Kollegium, in der Schulgemeinschaft.
«Was im Kollegium als Haltung erlebt wird, was im Klassenzimmer als Kultur sichtbar wird – Zuhören, Mitverantworten, Aushalten von Unsicherheit – ist kein Beiprodukt guter Schulführung. Es ist nachhaltige Entwicklung: im Kleinen gelebt, im Grossen gemeint.»
Aus dem IDG-Artikel der PHZH-Gruppe (2025)